Andreas Ebenhöh - Experte für Unternehmenskultur und Leadership

Alleine gearbeitet?

Heute schon wieder alleine gearbeitet?

Nach dem Artikel „Erzieher/innen sind wie Restmüll…die schlucken Alles“ kommt nun der von vielen gewünschte Beitrag zu den konkreten Handlungsmöglichkeiten gemeinsam etwas zu verändern!
Dieser Artikel distanziert sich von der Einstellung „Ich schaffe das alleine“, „Nur die Harten kommen in den Garten“ oder „So ist es halt in einer Kita, das wird sich nie ändern“ und „Heute fehlen 3 Kollegen/innen…wir müssen das irgendwie hinkriegen“!

Also, was können wir verändern? Ich schätze und verstehe die mutigen und unbeugsamen „Alleskönner“, die auch eine Gruppe mit 10 Krippenkindern oder 25 Ü3-Jährigen über Wochen oder Monate hinweg alleine führen können, doch zu welchem Preis!? Natürlich dienen sie uns als Vorbild – und ich bin dankbar dafür – doch wenn wir die Rahmenbedingungen verändern wollen, müssen wir den Maßstab wieder in die Realität zurückholen. Hierbei orientieren wir uns nicht nur an der überwiegenden „Mitte“, sondern auch an den gesetzlichen und moralischen Aspekten! Nicht die „Alleskönner“ und „Möglichmacher“ oder die „Geht nicht Sager“ und „Krankmacher“ sind unser Maßstab und ebenfalls nicht die finanzorientierte und aussitzende Verhaltenskultur unserer Träger!
Unser Maßstab basiert auf Werten und Gesetzen! Hier ist einerseits die Haltung der Leitung gefragt, die immer einen Blick auf das gesundheitliche Wohlbefinden der Kollegen/innen hat. Sie stellt sich bei Personalmangel in die Schusslinie, in dem sie Öffnungszeiten verkürzt, kranke Kolleginnen lieber nach Hause schickt und die Kinderanzahl reduziert, bzw. auch die Gruppe wenn nötig schließt! Ich habe Kollegen/innen „gebrochen“ in Gerichtsprozessen, wegen Verletzung der Aufsichtspflicht, gesehen und kenne den Preis für „Wir werden es irgendwie möglich machen“!!!
Fußnote: Auch ein Hausverbot für respektlose, gewaltvolle und bedrohliche Elternteile, darf zum Schutze der Kollegen/innen gerne mal von der Leitung erteilt werden!

Auch ein Interesse an den gesetzlichen Auflagen darf wieder erwachen! Hier können auch Erzieher/innen die Leitung und den Träger darauf aufmerksam machen, was erlaubt ist und was nicht! Darf/Sollte ich mit 8 Krippenkindern alleine sein (und ich spreche hier nicht von einem oder zwei Tagen, die es zu überbrücken gilt)? Ist es Okay, zu zweit mit 40 Kindern im Außengelände oder dem Turnraum zu sein? NEIN, ist es nicht!!!Frage 1: Worin besteht der Unterschied zwischen Engagement und Leichtsinnigkeit?
Frage 2: Wie können wir nachhaltig die Rahmenbedingungen und damit auch das Verhalten der Verantwortlichen (Leitung und Träger) verändern, wenn wir das Spiel mitspielen?

Wir brauchen Leitungen, die gewillt sind unbeirrbar den Frust der Eltern und des Träges auszuhalten. Leitungen, die zu Gunsten realistischer Arbeitsbedingungen die Kollegen/innen befähigt, Eltern mit kranken Kinder nach Hause zu schicken und den Mut zu haben zu sagen „Ich traue mir das nicht mehr zu/Ich kann das nicht mehr“! Auch die Kita bei 10 Magen-Darm Fällen für 1-2 Tage zu schließen oder einzelne Gruppen zu schließen auf Grund von Personalmangel ist immer einer Option! Bringen Sie als Leitung unbedingt den Träger mehr in Berührung mit dem, was auf dem Spiel steht – die Sicherheit, die Gesundheit und das seelische Wohlbefinden ALLER!…und jede Entscheidung die darauf beruht ist nicht nur juristisch korrekt, sondern auch gesetzlich verpflichtend…auch wenn Träger und Leitungen ungerne darüber sprechen!

Gleichzeitig ermutige ich die Erzieher/innen ganz im Sinne von „Einer für Alle und Alle für Einen“ die Leitung in diesem Entwicklungsprozess zu unterstützen. Lesen Sie die gesetzlichen Bestimmungen Ihres Bundeslandes, nutzen Sie Teamsitzungen für die Entwicklung von Notfallstrategien und stärken Sie sich kollegial um Mut und Standfestigkeit zu etablieren.

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