Andreas Ebenhöh - Experte für Unternehmenskultur und Leadership

Ben´s Suche nach der Wahrheit!

Ben schlendert durch die pulsierenden Straßen Berlins und liest auf einer der Zeitschriften an Baschar´s Kiosk, dass Trump den verlorenen Frieden in Syrien militärisch erzwingen möchte. „Ist das möglich“, fragt sich Ben, „Frieden mit Krieg zu bewirken“? Wie schmeckt ein Frieden, der durch Krieg erzwungen wurde“? Ein Krankwagen rauscht lautstark vorbei und hält vor den Toren eines großen Metall- und Rüstungsherstellers. Ben hörte vor kurzem einen Freund darüber berichten, dass einer der größten deutschen Waffenproduzenten die staatlichen Kontrollbehörden mit dem Verkauf von Waffen über Italien an Krisenstaaten umgehe. Ben ist wütend und denkt an den VW Skandal und daran, dass „kleine Leute“ für alles bestraft werden – oft mit existenziellen Folgen – während rechtliche Fehltritte bei großen Konzerne scheinbar schnell verklingen. Ben lehnt sich an eine Ampel und denkt an das „Trolley-Problem“. Sollen wir mit zweierlei Maß messen, wenn es um das Wohlergehen vieler oder das Einzelner geht? Parteien und Politiker möchten an der Macht bleiben und eine wesentliche Rolle spielen hierbei Arbeitsplätze. Diese werden von großen Konzernen angeboten, jedoch mit der inoffiziellen Bedingung, nach den eigenen Regeln zu spielen. Frauenquoten, rechtliche Sanktionen oder Steuererhöhungen könnten Konzerne veranlassen die Produktion ins Ausland zu verlegen. Ben seufzt. „Wie soll ein Staatsoberhaupt nun entscheiden? Zu Gunsten der Arbeitsplätze und damit auf Kosten demokratischer Werte, oder gemäß der Devise: „Vor dem Gesetz sind alle gleich“, was den Verlust tausender Arbeitsplätzen zur Folge haben könnte!“

Ben blickt gegenüber der Ampel auf ein gigantisches Werbeplakat. Ein TV-Anbieter bewirbt die kommende Weltmeisterschaft in Russland. Russland? Weltmeisterschaft? „Sollten die Sportler die WM in Russland nicht lieber boykottieren?“, fragt sich Ben in Erinnerung an Peking. In einem Interview mahnte ein bekannter Fußballer, dass man Politik und Sport trennen müsse! „Sollten internationale Sportereignisse von Ländern ausgerichtet werden dürfen, die soziale und rechtliche Grundwerte missachten? Wiegen Handelsbeziehungen wohlmöglich mehr als unser Grundgesetz?“

Es ist grün! Ben überquert die Straße, schließt seine Jacke, blinzelt in den Himmel und spürt kleine Regentropfen auf seiner Haut. Ein Gewitter zieht auf und Ben eilt in eines der kleinen Straßencafés. Auf einem der speckigen Stehtische liegt das zerfledderte Exemplar einer großen Tageszeitung und während Ben durch die Seiten blättert, erinnert er sich an die Worte eines Kabarettisten, der die Frage aufwirft, ob wirtschaftlich geführte Mediengruppen sich überhaupt wirtschaftskritisch äußern würden. Ben überfliegt die Artikel und spielt mit dem Gedanken, dass die Auswahl der Nachrichten nicht primär den Zweck haben, die Realität in seiner Ganzheitlichkeit zu skizzieren. Wenn ein Medienkonzern den Menschen tagtäglich einen kleinen und für sich selbst rentablen Ausschnitt des „Großen & Ganzen“ präsentiert, geraten wir Konsumenten dann nicht langfristig in Gefahr, dass dieser kleine Ausschnitt zum „Großen & Ganzen“ wird? „Selektiertes Wissen erzeugt eine eingeschränkten Wahrnehmung“, denkt sich Ben!

Es beginnt zu regnen und Ben fragt sich, wie viel Wahrheit Menschen vertragen. Wie würden wir reagieren, wenn Angela Merkel in einer Fernsehansprache sagen würde: „Verehrte Bürgerinnen und Bürger, die Bundesregierung wird auch weiterhin die Ungleichheit in Punkto Bildung und Berufschancen fördern, da sonst am Ende keiner mehr unsere Toiletten saubermacht oder den Müll entsorgt. Ungleichheit stärkt die Privilegien jedes Einzelnen! Sowohl die der Reichen, als auch derer, die Fleisch im Supermarkt, Kleidung im Discounter und Elektrogeräte aus Asien kaufen!“

Ben bestellt einen Kaffee und wundert sich derweil, dass Menschen um des eigenen Vorteils willen bereit sind, elementare Grundwerte zu vernachlässigen. All die Arbeitnehmer, die für Unternehmen arbeiten, die ihren Profit auf Kosten der Gesundheit, des Naturschutzes oder der Lebenskultur erzeugen! Ben nippt am heißen Kaffee und erkennt diese Widersprüchlichkeit auch im Vorgehen der Regierung, die zu wieder unseres Grundgesetzes (§2) den Tabakkonsum, Benzinmotoren, Werksverträge oder auch Bildungsungleichheit unterstützen.

Ein Pärchen am Nachbartisch unterhält sich über Mobbing am Arbeitsplatz und die Angst den Job zu verlieren. Ben wird nachdenklich und erkennt wie schmal der Grat zwischen dem freien Willen und den existenziellen Ängsten ist. Trotz aller Regeln und Rechte ist die Angst um das eigenen Wohl und das der Familie unser größtes Hindernis in Sachen Freiheit, Demokratie, Offenheit und Gemeinschaftswohl. Ben holt Luft und winkt die Kellnerin herbei. Nachdem er bezahlt hat tritt er in den Regen, zieht die Kapuze über den Kopf und entdeckt auf dem nassen Asphalt eine verschmutzte Postkarte. Neugierig entziffert er den Aufdruck und liest mit großem Erstaunen: