Andreas Ebenhöh - Experte für Unternehmenskultur und Leadership

Kita-Leitung? Kann doch jeder!

Kita-Leitung? Kann doch jeder!

Thorsten Kohl ist Leiter eines kleinen Finanzamtes im Taunus. An einem typischen Montagmorgen kommt Herr Kohl in sein Büro und erfährt von seinem Kollegen, dass sich heute drei Mitarbeiter aus den Bereichen Service, Controlling und IT-Administration krankgemeldet haben. Hinzu kommt, dass er bemerkt hat, dass die Lampen im Eingangsbereich flackern und der Treppenaufgang von Handwerkern noch beschmutzt ist. Frau Jonagold aus der Abteilung Personal berichtet Herrn Petersen, dass in der Küche heute Frau Mangold, die Köchin der Kantine, ausgefallen ist…Magen-Darm! Herr Minze aus der Personalabteilung teilt Herrn Kohl mit, dass derzeit ein Hausmeister auf 400 Euro-Basis gesucht wird, jedoch gäbe es noch keine Bewerbungen. Ina Zimt, Sachbearbeiterin aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit zieht Herrn Kohl kurz zur Seite, um ihm freudestrahlend zu erzählen, dass sie schwanger ist. Gleichzeitig ruft Frau Butterblume an und möchte die aktuellen Quartalszahlen, die Berichte des Controllings und die Rückmeldung zur neuen Software. Außerdem wurde der Termin mit dem Finanzleiter des Landkreises auf heute 14 Uhr vorgezogen.

Die Kita-Version
Herr Kohl rennt erst einmal in den Service-Bereich und bedient einige der Bürger – die bereits dort warten. Gleichzeitig erarbeitet er am Service-PC die Zahlen aus dem Controlling und telefoniert mit den verschiedenen Abteilungen hinsichtlich der neuen Software. Diese ist teilweise noch nicht überall installiert! So rennt er vom Service in die einzelnen Büros und installiert parallel die neue Software. Unterwegs holt er sich den Besen aus dem Hausmeisterraum und kehrt die Treppe, stellt die Leiter für den Austausch der Lampen bereit und gießt die vertrockneten Blumen am Empfangsbereich. Während er versucht am Telefon den Termin mit dem Finanzleiter auf 16 Uhr zu verschieben, begibt er sich in die Küche, schält die Kartoffeln, bereitet das Gemüse vor und legt die Würstchen auf die Grillplatte. Während dessen erwischt er einen Kollegen beim Schlafen und ärgert sich über Frau Blaukraut, die schon wieder die Bürger anschreit. Herr Wirsing aus Abteilung 5 ruft Herrn Kohl an und klagt über die fehlende Unterstützung. Er habe 164 Anträge seiner kranken Kollegen, die er abarbeiten solle! Er ist verzweifelt und spricht von Versetzung. Herr Kohl spricht 10 Minuten mit Herrn Wirsing und läuft danach in die Küche, wo bereits die Kartoffeln überkochen und die Würstchen schwarz sind. Auf dem Weg hat er noch schnell die Lampe repariert. Die Schlange im Service-Bereich wird immer länger, der Frust der Bürger immer größer und Frau Butterblume weigert sich am Telefon den Termin mit dem Finanzleiter zu verschieben. Die schwangere Kollegin geht einfach nach Hause und gleichzeitig stürzt die Webseite des Finanzamtes ab. Herr Kohl rennt in die IT-Abteilung….

Die Finanzamt-Version
Herr Kohl bittet Herrn Bohne aus Abteilung 3 seine Arbeit heute ruhen zu lassen und den Service-Bereich zu übernehmen. Seiner Sekretärin überträgt er die Aufgabe eine Hausmeister-Firma mit den nötigen Reparaturen und Reinigungsarbeiten zu beauftragen. Während einer Tasse Kaffee kontaktiert er die von kranken Mitarbeitern betroffenen Abteilungen und erteilt den Auftrag, nur das Nötigste zu erledigen. Die Sekretärin hat bereits ein Memo versendet, dass die Kantine heute nur Salat anbieten wird. Für die kommenden Tage wird ein Koch einer Zeitarbeitsfirma die Vertretung übernehmen. Die schwangere Frau Zimt bleibt natürlich bis zum regulären Mutterschutz und arbeitet derweil die neue Kollegin ein. Die neue Software wird erst zwei Wochen später von dem IT-Administrator installiert, der Controlling-Bericht auf kommende Woche verschoben und um 14 Uhr sitzt Herr Kohl mit Frau Butterblume und dem Finanzleiter bei Kaffee und Kuchen im Konferenzraum, um die Quartalszahlen von 2016 zu besprechen.

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