Andreas Ebenhöh - Experte für Unternehmenskultur und Leadership

Tausche WERTE gegen WAFFEN!

Tausche WERTE gegen WAFFEN!

Moritz führt einen kleinen Outdoor-Laden, der schon bald Teil eines umstrittenen und waghalsigen Experiments sein wird!

Die Ladentür öffnet sich…
Ein wohlhabender Geschäftsmann betritt den Laden und fragt den Verkäufer Till, ob die Möglichkeit bestehe, ein Jagdteam für einen Trip nach Afrika auszurüsten. Es gäbe dort die Chance, Großwild zu jagen, “mit dem nötigen Kleingeld natürlich“, lächelt der Mann zwinkernd. Till spürt die aufkeimende Wut in sich und bitte den Mann, sein Vorhaben in einem anderen Laden zu realisieren, da er selbst und sein Chef Moritz, die fragwürdigen Absichten des Geschäftsmannes nicht unterstützen werden. Der Mann verlässt wütend den Laden und brüllt: „Ihnen und Ihrem Chef ist gerade ein lukratives Geschäft entgangen!“

Kurze Zeit später kommt ein Vertriebler in den Raum und fragt nach dem Geschäftsführer. Der Vertriebler präsentiert Moritz hoch-funktionale Outdoor-Bekleidung zu einem Spottpreis. Moritz fragt nach dem Herstellungsland und den Arbeitsbedingungen des Herstellers. Der Vertriebler berichtet von einer Fabrik in Indien, ist jedoch nicht bereit, über Arbeitsbedingungen oder die Unternehmenskultur zu sprechen. Er appelliert an den Gewinn für Moritz Outdoor-Laden. Moritz lehnt ab und auch wenn er weiß, dass ihm gerade sehr viel Geld entgeht, so ist er dennoch stolz darauf, dass Prinzipien mit Geld nicht aufgewogen werden können. Auch dem Versprechen gegenüber seinen Mitarbeitern und Kunden bleibt er damit treu, denn gute Qualität ist nur gut, wenn auch die Arbeitsbedingungen gut sind!

Das Telefon klingelt! Moritz hebt ab und erfährt von einem großen und engen Geschäftspartner, dass dieser seine Produktion schon bald nach Iniuria verlegen werde. Moritz denkt an die Missachtungen der Menschenrechte in diesem Land und hinterfragt die Prinzipien seines Geschäftspartners. Dieser wird harsch in seinem Ton und rät Moritz es sich nicht mit dem Konzern zu verscherzen. Schließlich seien sie Markführer und preisbestimmend! Moritz kündigt die Geschäftsbeziehung noch am Telefon und legt auf! Auch wenn ihm nun sicherlich finanzielle Herausforderungen bevorstehen, so glaubt er doch fest daran, dass Werte und Prinzipien nicht zum Opfer wirtschaftlicher Faktoren werden dürfen! Er weiß natürlich, dass seine Entscheidungen sich auch auf seine Mitarbeiter und deren Familien auswirken, doch was wiegt höher?

Das EXPERIMENT beginnt!

Die Ladentür der Bundesrepublik Deutschland öffnet sich…
Der Machthaber eines diktatorisch geführten Staates, in dem Menschenrechte keine Bedeutung haben, betritt den Laden. Er benötige für die Verteidigung seines Reiches Jagdbomber, Panzer und Maschinengewehre. Ein Minister begrüßt den Machthaber ehrenvoll und erinnert sich mit höflichem Lächeln an die letzten Berichte über dieses Land. Enthauptung, Religionspolizei, Folter, Terror, Völkermord! Gleichzeitig denkt er aber auch an die Einnahmen durch den Verkauf dieser Waffen! Nicht nur seiner politischen Karriere wäre dieser Deal dienlich, sondern auch der wirtschaftliche Gewinn für die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands wäre erheblich. All die möglichen Investitionen in Straßen, Bildung und Wohnraum! Per Handschlag wird das Geschäft einvernehmlich besiegelt!

Ein Bauunternehmer betritt den Laden mit dem Ziel, eine schnelle Baugenehmigung für bundesweit neue Luxusappartements zu erhalten. Auch wenn sozialer Wohnungsbau wesentlich wichtiger wäre und zudem das Wahlversprechen einlösen würde, so überzeugt der Unternehmer doch den Minister davon, dass die finanziellen Vorteile reicher Anwohner deutlich attraktiver sind, als das Minusgeschäft mit Sozialwohnungen. Der Minister legt den Stapel Bauanträge von Privatpersonen zur Seite und kümmert sich erst einmal um die Genehmigung des Unternehmers. Auch wenn er hier mit zweierlei Maß misst, so dient doch diese Bevorzugungen dem Wohle des Landes. „Idealismus ist letztendlich eine brotlose Kunst, von der eine große Gemeinschaft nicht leben kann“, denkt sich der Minister.

Ein Lobbyist der Tabakindustrie kommt gemeinsam mit dem Vertreter der Rüstungsindustrie hereinspaziert und auch wenn die Legalisierung von Tabak eindeutig gegen den zweiten Artikel unseres Grundgesetzes und die Rüstungsindustrie mit dem Verkauf von Waffen an unsichere Krisenstaaten gegen §6 des Kriegswaffenkontrollgesetzes verstößt, so rechtfertigt der Zweck doch die Mittel, oder? „Schließlich gehe es hier um das wirtschaftliche Wohle unseres Landes“, so die beiden Kunden! Lächelnd nickt der Minister.

Auch die Vertreter der Sozialdienste, der Ehrenämter und der Wohltätigkeitsorganisationen sind im Laden der Bundesrepublik gern gesehene Kunden, da eine Reformierung der Bereiche Arbeit und Soziales wesentlich teurer wäre, als die Bereitstellung von Spenden und Fördermitteln. Die Schlangen der Bedürftigen (Rentner, Alleinerziehende, Alleinverdiener-Familien, etc.) wachsen und währen sich fälschlicherweise die Regierung als Sozialstaat feiert, genießen Industrie und Wirtschaft die Folgen der Ungleichheit und Benachteiligung. Schließlich brauchen wir billige Arbeitskräfte und jene, die aus existenziellen Ängsten die Jobs machen, für die sich Menschen der ersten Klasse zu fein sind!

Ladenschluss! Ende des Experiments!

Frage 1: Sollten die Werte unseres Grundgesetzes für politische und wirtschaftliche Erfolge flexibel interpretierbar sein?

Frage 2: Wollen wir wirklich andere benachteiligen, um uns selbst zu bevorteilen?