Andreas Ebenhöh - Experte für Unternehmenskultur und Leadership

Verantwortung…nein danke!

Verantwortung…nein danke!
Von Discounter-Erziehung und Bildungsbequemlichkeit!

Wir kaufen in Modegeschäften billige Textilwaren, die unter lebensgefährlichen Bedingungen, für uns Deutsche hergestellt werden. Wir konsumieren Fleisch in Mengen, die dazu führen, dass Nutztiere zu tausenden erkranken, verenden und mit Antibiotika wieder aufgepeppt werden. Wir essen Eier von blinden und seelisch zerstörten Hühnern, trinken Milch von unglücklichen Kühen, vergiften mit jedem Plastikartikel die Meere und Flüsse und destabilisieren das Klima durch Treibhausgase. Wir zerstören Wälder für Agrarflächen, die als Futtermittel dienen und verbrauchen für all das so viel Wasser und Energie, dass die Verhältnismäßigkeit jenseits humanistischer Sinnhaftigkeit liegt.
Wir bringen unsere Kinder von 7-17 Uhr in Krippen, ohne zu hinterfragen ob die Rahmenbedingungen für Bindung, Erziehung und Bildung überhaupt entwicklungsgerecht sind. Wir entscheiden uns dafür, auf Grund der beruflichen Selbstverwirklichung, unsere Kinder auch krank in die Kitas zu bringen und vielleicht am Morgen einfach noch ein Fieberzäpfchen zu geben. Wir denken dabei nicht an die anderen Kinder, die schwangeren Eltern – die besonders empfindlich für ansteckende Krankheiten sind – und auch nicht an die Folgen für die Fachkräfte. Uns entgeht, dass jede kranke Fachkraft sich auf die Erziehungsqualität unseres eigenen Kindes auswirkt und zur Folge haben kann, dass die Betreuungs- und Öffnungszeiten reduziert werden können. Es scheint uns nicht klar zu sein, dass überforderte Fachkräfte die Überforderung an unsere eigenen Kinder weitergeben und das sich unsere Hoffnung, dass Kind wichtige Grundwerte erlenen, in Luft auflöst. Scheinbar unbekümmert übergeben wir unsere Kinder entweder an unqualifizierten Hilfskräfte, Praktikanten/innen oder an teilweise überforderte Auszubildende….während WIR selbstverständlich vom Arzt und nicht von der Krankenschwester operiert werden wollen. Wir ärgern uns über die Betreuungssituation, schimpfen auf die Träger, Erzieher/innen und Leitungen, verschränken die Arme und sagen uns, dass wir ein Anrecht auf Betreuung haben und schließlich dafür bezahlen. Also sollen die im „Kindergarten“ das jetzt gefälligst machen! Und so verlieren wir aus den Augen, dass wir dabei das Urvertrauen unsere Kinder für den eigenen Protest opfern!
Wir beteiligen uns nicht an Festen und Feierlichkeiten, drücken uns vor Ämtern und ehrenamtlichen Tätigkeiten, wollen aber überall mitentscheiden, haben zu allem eine Meinung und könnten, wenn wir wollten und wenn wir würden. Gerne wollen wir gefragt, jedoch nicht beauftragt werden. Wir wollen einbezogen, aber nicht involviert, informiert aber nicht um Unterstützung gebeten werden. Elternabende in Kitas sind unwichtiger als in der Schule und damit Kinder im „kranken“ Schulsystem funktionieren, sollen Kitas ebenfalls „kranke“ Lernbedingungen schaffen. Wir wollen unser Recht verteidigen und verlieren dabei die Bedürfnisse unserer Kinder aus den Augen. Es schickt sich zu argumentieren, dass ein Kind ein „ganzes Dorf“ zur Erziehung benötigt, jedoch bloß nicht uns selbst. Wir wollen unseren Kindern in der Kita/Krippe soziale Kontakte bieten, da wir unseren wissbegierigen Kindern zu Hause ja nichts mehr bieten können und kommen nicht auf die Idee uns mit anderen Eltern auf Spielplätzen, Veranstaltungen oder für Ausflüge zu treffen. Wir beschweren uns bei anderen Eltern über fehlende Qualität, suchen die Schuldigen in den Fachkräften und können uns nicht vorstellen, dass die Qualität von den Rahmenbedingungen abhängt…oder es stört uns einfach nicht…immerhin kaufen wir ja auch Kleidung in billigen Mode Discountern!
Wir grämen uns arbeiten zu müssen, da wir vergessen haben, dass wir arbeiten wollen! Unsere Generation will alles auf einmal, all inclusive, das rund um Sorglos-Paket und wir wollen auf nichts verzichten. Da wir alles gleichzeitig wollen, machen wir Abstriche in der Intensität und erfinden Kompensationsmöglichkeiten, um einerseits alles zu behalten aber anderseits nicht immer alles bedienen zu müssen! Wir wollen Selbstverwirklichung aber nicht in Punkto Kindererziehung, wollen das unsere Werte zu tragen kommen, aber nicht beim Tragen helfen. Natürlich wollen wir Kinder aber nicht dabei Gefahr laufen, auf etwas verzichten zu müssen/wollen.
Wir wollen Gesundheit, Sport, Hobbys, Freunde, Partys, Erfolg, Sexualität, Mode und Technik. Dabei sein, dazugehören, „up to date“ und überall erreichbar sein, das Beste zum günstigsten Preis!
Und wir wollen mitspielen in der „schönen neuen Welt“ die uns Politik und Wirtschaft so reizvoll präsentieren. Dazu riskieren wir die Entfremdung unserer Kinder durch zu frühe und übermäßige Fremdbetreuung um endlich ein Teil dieser wunderbaren Marktwirtschaft zu sein. Wir wollen die große Selbstverwirklichung und vergessen dabei ganz, dass sich unsere Kinder mit uns GEMEINSAM verwirklichen wollen. Der Preis ist mir zu hoch! Ich bin raus!